Fernverkehr in Jena vor dem Kahlschlag – Oberbürgermeister muss endlich entschlossen handeln

Der Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 beschert Jena erneut drastische Einschnitte im Bahn-Fernverkehr: Große Teile der bisherigen Intercity- und ICE-Verbindungen fallen weg oder werden so verschlechtert, dass Jena als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort im bundesweiten Fernverkehr weiter abgehängt wird. Selbst wenn einzelne Regionalexpress-Verbindungen verstärkt werden, können sie den Verlust eines dichten, durchgehenden Fernverkehrsnetzes für Jena nicht kompensieren.​

Trotz gegenteiliger Bekundungen in öffentlichen Auftritten reicht das bisherige Engagement des Oberbürgermeisters nicht aus, um diesen Rückbau aufzuhalten und die Chancen der Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung für Jena zu sichern.​ Denn selbst diese jahrzehntelang geplante Maßnahme droht immer noch an Finanzierungsfragen zu scheitern.

Dazu sagt Kreissprecher Sebastian Götte: „In seiner jüngsten Videobotschaft betont der Oberbürgermeister zwar die Bedeutung guter Bahnverbindungen und verweist auf Gespräche mit Bahn und Land, bleibt jedoch konkrete Ziele und überprüfbare Zusagen schuldig. Es fehlt eine klare Linie, wie Jena über Fernverkehr mindestens im Zweistundentakt in alle Richtungen angebunden werden kann.​ Eine Kommunikationsstrategie, die vor allem auf Beschwichtigung, allgemeine Verweise auf ‚Gespräche in Berlin und Erfurt‘ und symbolische Videos setzt, wird der Tragweite des praktisch nicht mehr vorhandenen Fernverkehrs in Jena nicht gerecht.​“

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern den Oberbürgermeister auf, angesichts der mittlerweile dramatischen Situation die Interessen der Stadt im Fernverkehr deutlich offensiver zu vertreten. Dazu gehören:

  • eine klare, unmissverständliche Ablehnung des Fernverkehrs-Kahlschlags in Jena und die transparente Benennung der Folgen für Bürgerinnen, Wirtschaft, Universität und Klinikum.
  • Festlegung und öffentliche Kommunikation des Mindeststandards von zweistündlichen Takten in alle Richtungen als Verhandlungsposition der Stadt.
  • die Ausnutzung aller politischen Kontakte in Land und Bund sowie zur Deutschen Bahn zur Umsetzung der Forderungen.
  • aktive Unterstützung und institutionelle Einbindung des Bündnisses „Fernverkehr für Jena“, der Fahrgastverbände sowie weiterer betroffener Gemeinden in Thüringen in alle Gespräche mit Bahn und Politik.

Kreissprecherin Julia Burkhardt resümiert: „Jena braucht einen Oberbürgermeister, der sich nicht mit kosmetischen Verbesserungen im Regionalverkehr zufriedengibt, sondern konsequent für einen starken, zukunftsfesten Fernverkehr eintritt – damit Jena als wachsender Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort in der Mitte Deutschlands nicht auf der Strecke bleibt.“

Die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat zu diesem Thema eine Kleine Anfrage gestellt, die im Dezember-Stadtrat beantwortet wird.

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