03.04.2020

Wie weit reicht unsere Solidarität? - Wir drängen weiter auf Aufnahme von Geflüchteten aus Griechenland

Die deutsche Presse meldet erste Corona-Fälle aus den Elendslagern für Geflüchtete in Griechenland, aber Jenas Stadtspitze hat sich positioniert: Flüchtlinge sollen in Jena momentan nicht aufgenommen werden. Verwundert und enttäuscht zeigt sich der Grüne Kreisverband Jena über die in der Presse geäußerten Position des Jenaer Sozialdezernenten Eberhard Hertzsch, der die Nicht-Aufnahme mit der zu erwartenden Isolierung der Menschen aufgrund der Kontaktsperren begründet.

Die Kreissprecherin Christine Schickert dazu: „Die Argumentation von Herrn Hertzsch ist zynisch. Die Situation in den Lagern ist dramatisch, wenn sie nicht sofort evakuiert werden, wird es dort bald zahlreich Tote geben. Viele von ihnen könnten problemlos gerettet werden.“ Im Lager Moria auf Lesbos leben fast 25.000 Menschen in einem Lager, das für nicht einmal 3.000 Leute ausgelegt ist. Die Einhaltungen von Hygieneregeln, Quarantäne und grundlegende medizinische Versorgung sind nicht möglich und machen das Virus für alle tödlicher. Jena hat sich vor einem Jahr zusammen mit über 200 Städten der Initiative „Sichere Häfen“ angeschlossen und zur Aufnahme von Geflüchteten bereit erklärt. „Wir dürfen in dieser Situation jetzt nicht alle Solidarität über Bord werfen“, so Schickert weiter.

Die Jenaer Grünen fordern eine umgehende Korrektur des Stadtverwaltungskurses. Henriette Jarke, Sprecherin des Kreisverbandes: „In Jena stehen genügend Angebote und Helfende zur Verfügung, um den Menschen auch in der Quarantäne zu helfen. Jenas Zivilgesellschaft hat in den letzten Jahren eindrucksvoll gezeigt, dass die Aufnahme, Versorgung und Integration von Zugewanderten hervorragend gelingen kann. Wir erwarten von der Verwaltung, dass sie beim Bund die Bereitschaft zur Aufnahme anzeigt.“ Dies würde auch den beiden Stadtratsbeschlüssen entsprechen, die in Jena bereits zum Thema vorliegen.

Im Lager Moria auf Lesbos, dem größten Geflüchtetenlager Europas, leben ungefähr acht Mal so viele Geflüchtete, wie vorgesehen. Dabei teilen sich durchschnittlich 187 Menschen eine Toilette, 242 eine Dusche und 1.300 eine Wasserstelle - vorausgesetzt es gibt Wasser, denn im inoffiziellen Teil ist die Wasserversorgung gänzlich eingestellt, im Hauptquartier oft stundenlang unterbrochen. Nur noch maximal 10 Freiwillige mit medizinischer Ausbildung versorgen alle Geflüchteten, nicht-medizinische Hilfsorganisationen dürfen gar nicht mehr ins Lager. Es grassieren Krankheiten wie die Krätze, jedoch gibt es kaum Medikamente, die Menschen sind geschwächt. Dazu kommt, dass Trinkwasser und Lebensmittel stark rationiert werden und daher Unterversorgung herrscht. Die gesundheitlich stark angeschlagenen Menschen sind daher oft als Risikopatienten einzustufen, bei denen Corona schwere Verläufe bis hin zu hohen Todeszahlen auslösen wird. Griechenland überlässt das Lager mehr und mehr sich selbst. Immer mehr Hilfsorganisationen und Politiker fordern eine sofortige Evakuierung des Lagers, auch um eine durch die desaströsen Zustände beschleunigte Katastrophe durch Corona zu verhindern. Bis jetzt gibt es keinen offiziell bestätigten Fall von Corona im Lager, wohl aber bereits auf der Insel Lesbos.

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