23.10.2018

Dachbegrünung und Bäume gegen Sommerhitze

Das Podium in Aktion. von links: Dr. Matthias Mann, Alexander Seliger, Heiko Knopf, Anja Siegesmund, Daniel Knopf

Die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat einen Diskussionsabend durchgeführt, in dem es um konkrete bauliche Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels in Städten ging. Daniel Knopf vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK) stellte eine im Frühjahr von ihm been-dete Studie vor. Er hatte die 19 der Kommunalen Immobiliengesellschaft Jena (KIJ) gehörenden Kitas und Grundschulen auf ihre Wärmebelastung im Innen- und Außenbereich sowie die Luftbelastung analysiert und konkrete Verbesserungsmaßnahmen vorgeschlagen.

„Wir kommen eigentlich von einem hohen Niveau. Das Thema ist nirgends unbekannt, es gibt überall zumindest Innenrollos an den Fenstern und fast alle Gebäude sind in den letzten zehn Jahren saniert wor-den.“ So Daniel Knopf. Dennoch berichtete eine Erzieherin aus dem Publikum, dass in ihrer Einrichtung dieses Jahr ernsthaft überlegt wurde, ob es gesundheitlich noch zu verantworten sei, die Kita ganztätig geöffnet zu halten, so stark erhitzten sich dort die Gebäude tagsüber. 102 Sommertage über 25 Grad Celsius und 37 Hitzetage mit 30 und mehr Grad Celsius hat es dieses Jahr in Jena gegeben. Und solche Sommer werden häufiger: die drei Sommer in Jena mit den meisten Hitzetagen seit Beginn der Aufzeich-nungen um 1880 lagen alle im 21. Jahrhundert. „Jena rückt sozusagen stückweise nach Süden. Die Stadt ist baulich aber darauf garnicht vorbereitet.“ Wie ein Besucher das Problem treffend beschrieb.

„Zu den Erkenntnissen, die ich aus diesem Abend mitnehme, gehört die, dass im Außenbereich mit gerin-gen Kosten erhebliche Verbesserungen der Aufenthaltsqualität erreicht werden können, indem an den richtigen Stellen Bäume gepflanzt, Fassaden begrünt oder Flächen entsiegelt werden. Davon profitieren nicht nur die Objekte selbst, sondern auch die Nachbargrundstücke und manchmal ganze Quartiere.“ berichtet Heiko Knopf, Vorsitzender der grünen Stadtratsfraktion. „Außerdem hängt viel davon ab, dass in der Verwaltung diese Themen bei der Planung von Neubauten oder Sanierungen mitgedacht werden. Hier sehe ich Jena auf einem guten Weg, den wir bei künftigen Bebauungsplänen stärker mit betrachten werden.“

Umweltministerin Anja Siegesmund berichtete, dass es andernorts in Thüringen dafür nach Erfahrungen mit vergangenen Fehlplanungen Klimamanager oder sogar reine Wassermanager gebe, die sich nur mit Themen wie Versickerung und Kanalisation beschäftigen, die bei sommerlichen Starkregen relevant werden. Thüringen fördere außerdem die Schulhofbegrünung mit einem Preisausschreiben, das sehr gut angenommen worden sei, und könne über Solarinvest den Bau größerer Photovoltaikanlagen außerhalb des EEG fördern.

Alexander Seliger von KIJ konnte berichten, dass in Reaktion auf dem Bericht bereits 14 Bäume an mehreren Schulen und Kitas gesetzt worden seien. Dächer würden heute meist von vornherein mit Photovoltaik oder Begrünung geplant, weil sie sich rechne. Der Bericht hat also schon konkrete Früchte getragen. Weitere kommen vermutlich erst im Zuge größerer Bauprojekte in Gang. Die Lernwirkung für die Verwaltung geht aber darüber hinaus und dürfte in alle zukünftigen Bauplanungen einfließen.

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